NABOKV-L post 0012070, Wed, 16 Nov 2005 21:28:42 -0800

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Ernst Jünger und Vladimir Nabokov Schmetterlinge jagen
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[Safari] peter fuxx / !!! DV8-FILM empfiehlt KINOWELT ASIEN im Metro07.07.2003 19:46 Derneue Quitta / Jünger und Nabokov jagen /, kurz und bündig,/
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Wed Jul 9 01:35:50 CEST 2003


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07.07.2003 19:46 Der neue Quitta, kurz und bündig
Robert Quitta lässt Ernst Jünger und Vladimir Nabakov Schmetterlinge jagen

So wie sie ihre Ideen und ihr Sprachvermögen in Texten angeordnet haben, so
verfuhren die beiden Schriftsteller Vladimir Nabokov und Ernst Jünger mit
einer in Robert Quittas neuestem Theaterabend herausgehobenen Leidenschaft:
der Jagd.

Blenden Sie Rothirsch, Elch und Löwe aus! Hemingwaysche Dimensionen erreicht
man mit Schmetterlingen und Käfern nicht: Am Suchen, Finden und Ordnen
("Irgendwo im Universum muss Ordnung herrschen") war es den Naturfreunden
gelegen. Und genau das arrangiert Quitta in Jünger und Nabokov jagen
nochmals neu: Im wieder leer gefegten und mit bodenständigem Parkett
ausgelegten Raum des Künstlerhaustheaters ist eine hin und wieder klickende
Hasselblad in Händen Jakub Kavins den Jägern auf der Spur. Jünger (Leopold
Dallinger) fokussiert sie im Bademantel robbend, Nabokov (Thomas Seiwald)
mit Schmetterlingsnetz hockend. Die dabei entstehenden verrückten Wachposen
interessieren theatralisch und bestätigen: Der Verfolger ähnelt dem
Verfolgten.

"Schnell, eine Cincindela!", ruft Jünger, springt auf, köpfelt (wie im
Freibad! - und mittlerweile nur mehr in der Badehose) auf das Tierchen zu.
Nabokov hat unterdessen einen Schmetterling erlegt und stolziert in
cäsarischer Siegerpose mit ihm querfeldein. Ergebnis: "Cicindela juengeri"
und - zum Beispiel - "Cyclárgus Nabokov". Der Abend akademisiert sich dann:
Schauvitrinen mit perfid genauer Anordnungen der kleinen Dinger ("Die
Geschlechtsteile gehören separat vorne angeklebt!") werden hinein- und
wieder hinausgefahren. Grüner Zipfelfalter, ade! Den Menschen im Jäger zeigt
abschließend eine Diaschau, die leider nur drei Viertel des Publikums sehen
kann. Ein sehr kurzer Theaterabend (55 Minuten), als wäre er das Vorspiel zu
sich selbst. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2003)

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